Ingenieure und Naturwissenschaftler fehlen im Land. Das soll sich ändern – deshalb richtet Nordrhein-Westfalen zdi-Zentren ein, die schon die Kleinen in den Kindergärten und Grundschulen, aber auch die Großen in den Realschulen und Gymnasien für die klassischen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) begeistern sollen. Zukunft durch Innovation (daraus ergibt sich die Abkürzung zdi) ist das Motto dieser Einrichtungen.

Donnerstag wurde feierlich „cleverMINT“ eröffnet, das zdi-Zentrum für den Kreis Kleve, das in der Hochschule Rhein-Waal (HRW) auf dem Campus Kleve seinen Sitz hat. Und weil der Kreis Kleve so groß ist, hat cleverMINT auch eine Außenstelle für den Süden im städtischen Gymnasium Straelen. Trägerin von cleverMINT ist die HRW.

„Wenn man Schülern etwas Gutes bietet, kann man sie begeistern. Wir werden ihnen etwas Gutes bieten“, sagte Prof. Dr. Gerhard Heusipp, Leiter des Forschungszentrums der Hochschule Rhein-Waal, an das cleverMINT angegliedert ist. Für das Zentrum haben sich Hochschule, Industrie und Schulen vernetzt. cleverMINT bietet für Schulen Kurse speziell für Mädchen, Forscherkisten für Grundschulen, Lehrerfortbildungen in MINT-Fächern und wird in Zusammenarbeit mit dem zdi-Zentrum in Kamp-Lintfort eine Kinder-Uni aufbauen.

Die Schulen des Kreises begrüßen das Netzwerk: Gudrun Hütten, Leiterin der Karl-Leisner-Grundschule in Kleve hat sich mit ihrer Schule bereits in die Arbeit mit dem Zentrum eingeklinkt. Zusammen mit Lehrerin Katrin Lührs versucht sie an ihrer Schule, Jungen und vor allem auch Mädchen schon vor der weiterführenden Schule für die MINT-Fächer zu begeistern. „Da kommt eine solche Einrichtung, die mit Rat und Tat zur Seite steht, die für unsere Schüler Versuche vorbereitet, genau richtig“, sagt sie.

Auch Steffen Kluge vom Klever vom-Stein-Gymnasium freut sich auf die Zusammenarbeit. Man habe bereits Kooperationen mit der Industrie, wie mit spectro. Aber mit einem solchen Bindeglied, wie es das Zentrum darstelle, sei eine Vernetzung zwischen Schule, Industrie und Hochschule noch besser, habe man einen weiteren Anlaufpunkt für seine Schüler.

In der Vernetzung von Schulen und Hochschule sieht auch HRW-Präsidentin Marie-Louise Klotz ein Kriterium für die Zukunft des Zentrums. „Wir machen wie alle Hochschulen die Erfahrung, dass wir in vielen Fächern ,überlaufen‘, in den Technik-Fächern aber noch einige Studenten mehr aufnehmen könnten“, sagte sie. Deshalb sei es für Hochschulen von großer Wichtigkeit, schon früh Jungen und vor allem Mädchen für diese Fächer zu begeistern. „Wir haben in den Technik-Fächern nur eine Professorin – und die ist aus China. Es gibt zu wenige Frauen in diesen Berufen“, sagte sie. Auch das solle sich für die Zukunft ändern.

„Das Problem der fehlenden Ingenieure ist kein typisches deutsches Problem“, sagt Dr. Waltraud Kreutz-Gers, die als Vertreterin des Wissenschafts-Ministeriums zur Eröffnung der Einrichtung im Kreis Kleve gekommen war. „In allen OECD-Ländern gibt es diesen Mangel. Wir müssen bei den Kleinen anfangen, sie für diese Fächer zu interessieren“. Landrat Spreen sprach die Schüler direkt an, die in der Halle ihre Experimente aufgebaut hatten und den Gästen zeigten, was an den Schulen geleistet wird – darunter die Grundschüler der Leisner-Schule. Aber Jungen und Mädchen der Realschule/Gesamtschule an der Hoffmannallee und der Berufskollegs und weiterer Grundschulen präsentierten ihre Experimente.

Dass sich Technik-Unterricht an den Schulen mit aktuellen Problemen und möglichen Lösungen befassen kann, zeigten Schüler des Gymnasiums in Straelen. Sie führten vor, wie man mit Wasserstoff Energie speichern kann. Natürlich mit dem gehörigen Knalleffekt, wenn sich das Gas entzündet . . .